Archive for Juli, 2007

Kamele und Housemusik

Eine House-Party mitten in der Wüste. Sie heißt Distant Heat und findet ein mal pro Jahr im Wadi Rum statt, im Süden Jordaniens nahe der saudischen Grenze. War ein verdammt cooles Wochenende. Da behaupte mal jemand, die Arabs könnten nicht feiern. Bin gerade zu faul um zu schreiben.

rum4.jpgrum2.jpgrum3.jpgrum8.jpgrum6.jpgrum1.jpgrum7.jpgrum5.jpg

1 comment

Verliebt, verlobt

In Jordanien wird nicht einfach geheiratet. Zuvor wird sich ordentlich verlobt. Letzte Woche war mein Kollege Assaf an der Reihe. Seine Familie und Freunde – nur Männer – trafen sich um 17 Uhr auf der Terasse vor seinem Haus.

Ich hatte null Ahnung, was mich erwarten würde. Assaf empfing uns, im smarten Anzug und Sonnenbrille. Männer aller Altersklassen in dunklen Anzügen, manche mit Sonnenbrillen, harrten auf ordentlich gereihten Stühlen. Hätten auch Sizilianer sein können. Sah ganz nach einem Treffen von Cosa Nostra aus.

assaf1.jpg

Ein paar Minuten später fuhren wir beim Haus seiner künftigen Verlobten vor. Dort warteten weitere Mafiosi-Prototypen. Brav setzte ich mich neben meinen Kollegen Ibrahim, und wartete darauf, dass die Jungs ihre Pistolen herausholen und schwarze Koffer mit Dollarscheinen austauschen.

assaf3.jpgassaf5.jpgassaf2.jpg

Stattdessen gab Assaf jedem Gast fünf Küsschen. Jemand servierte Gebäck und ein älterer Herr mit Kopftuch trug ein paar Gedichte vor. Nachdem Assaf alle Gäste begrüßt hatte, betrat er das Haus seiner künftigen Verlobten. Irgendwann ertönten dann seltsame Laute aus dem Haus, erinnerte mich an Indianer-Kampfschreie. Das war’s.

Abends trafen sich Assafs Freunde und die Freunde seiner Verlobten im Marriot-Hotel. Die Pflicht war erfüllt, nun traf man sich zur Kür. Meine Kollegen und ich hatten uns mächtig in Schale geworfen. Wir tranken und feierten die ganze Nacht, und da ich natürlich so nah wie möglich bei den Lautsprechen tanzte, habe ich seitdem so ein Hochfrequenzfiepen in meinen Ohren. Was soll’s. Die Party war g-e-n-i-a-l. Hier ein Foto einiger meiner wirklich verdammt coolen Kollegen:

assaf4.jpg

1 comment

Sonst kommt der Schwule und frisst dich auf!

Meine Eltern haben mir erzählt, dass Schwule kleine Kinder vergewaltigen. Und wenn meine Eltern das sagen, dann stimmt das auch, denn meine Eltern haben immer Recht.

Das antwortete mir ein Bekannter (ein gebildeter Mensch!) hier in Amman, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass ein Freund von mir schwul sei. Ich versuchte ihm dann zu erklären, dass Homosexualität nicht gleichbedeutend ist mit Pädophilie. Verstanden hat er mich nicht, oder er wollte mich nicht verstehen.

Dieser Bekannte ist nicht der Einzige hier, der solch haarsträubende Vorurteile hat. Und er ist nicht der Einzige, der sich weigert, solche Überlieferungen zu hinterfragen. Denn wenn man einmal anfängt, einzelne Teile des eigenen Weltbildes zu hinterfragen, stürzt irgendwann womöglich das ganze System zusammen.

No comments

Jordan’s most popular bloggers!

In Arabien bin ich ein unbeschriebenes Blatt. Ich bin weit davon entfernt, berühmt zu werden. Keine Groupies, die ein Kind von mir wollen. Also alles wie zu Hause. Fast zumindest. Denn immerhin arbeite ich mit Jordaniens most popular bloggers zusammen, schreibt das hiesige PULP-Magazin. Denn die Nummer 1 ist mein Häuptling Ahmad Humeid, die Nummer 2 ist eine Kollegin von mir. Drückt mir die Daumen, dass ich es auf die Liste mit den most popular bloggers’ most popular german collegues schaffe!

No comments

Mein Nachbar, der Mann im Turm

tower.jpg

Mein Nachbar steigt jeden Tag fünf mal auf seinen Turm und schreit.

Er schreit meistens das Gleiche. So laut, dass zwei Echos zurückkehren, von den zwei nächst gelegenen Hügeln. Der Mann hat also eine Botschaft. Und die verkündet er von seinem Turm, was nicht verwunderlich ist, denn von dort oben hat er eine prima Aussicht auf die Stadt. Früher, so sagte man mir, beauftragte man ausschließlich Blinde mit dieser Aufgabe – Sehende hätten womöglich die Gelegenheit nutzen können, in benachbarte Frauengemächer zu schielen. Das hätte dann das korrekte Ausführen des Schreiens beinträchtigt. Mehr lesen

1 comment

Gegrillt auf arabisch

Lammfleisch am Spieß, Hühnchen am Spieß, und für unseren deutschen Neuzugang, Produktdesignerin Bettina, gab es Gemüse am Spieß. So sah die Speisekarte am gestrigen Abend in unserem Garten aus. Geladen war die gesamte Mannschaft, Grafiker, Projektmanagerinnen, Chef und Chefin. Die Party begann um 19 Uhr, denn ein paar meiner Kolleginnnen müssen um 23 Uhr zu Hause sein, auch am Wochenende.

Zu meiner großen Freude erschienen fast alle. Das ist keineswegs selbstverständlich; einige “strenge” Muslime meiden Veranstaltungen, auf denen alkoholische Getränke konsumiert werden (die anwesenden Kollegen würden sich sicherlich nicht als “strenge” Muslime bezeichnen, und davon abgesehen sind längst nicht alle meiner Kollegen Muslime).

Unser ältester Kollege Abu Ali musste sein ganzes Können aufbieten, um die Glut zu entfachen (übrigens, wir nutzen hier keine Kamelkacke, sondern Grillanzünder wie in Deutschland). Ein anderer Kollege ließ die Wasserpfeife kreisen, während ich den Rest der Mannschaft mit Mojito versorgte (1 Flasche Bacardi kostet hier schlappe 23 Euro, dafür ist die Minze günstig, und die Limetten pflücke ich in unserem Garten). Eine weitere Nacht in diesem wundersamen Ländchen Jordanien. Wenn ihr mich in Deutschland wiederhaben wollt, müsst ihr euch was einfallen lassen!

bbq21.jpgbbq41.jpgbbq31.jpgbbq12.jpg

No comments